Geborgen und gefordert
„Scheinwerfer“-Serie zu Ehren des 40. Jahrestages der Gründung der Deutschen Demokratischen Republik
So konnte das Korn reifen
Gedichte von Werner Baumgarten, Mitglied des Zirkels schreibender Arbeiter
Die rote Armbinde
Mit roter Armbinde,
ein Gewehr auf schmaler Schulter,
bewachte ich damals,
hungrig und frierend,
das beschlagnahmte Speck- und Butterlager
des Barons von Reichenau.
Die rote Armbinde
verlieh mir Standhaftigkeit
vor Speckseiten und Butterfässern,
obwohl in mir der Hunger fraß.
Ich biß die Zähne zusammen,
denn ich stand hier,
ermächtigt
von den Arbeitern und Bauern.
Die rote Armbinde
gab mir Mut,
das Gewehr, das ich aus der Hand
des freien Volkes empfangen hatte,
zum Schutz unserer Macht zu gebrauchen.
Ich sah hinter steinernen Wüsten
und leeren Scheunen
eine helle Zukunft.
Die rote Armbinde
gab mir die Kraft,
meine Verbündeten auf vereinten Feldern
vor den Quislingen des von Reichenau
zu schützen.
So konnte das Korn reifen.
Und es kam die Zeit,
da auch ich wieder satt wurde.
Mich an die rote Armbinde erinnernd,
stehe ich heute an Werken und Speichern,
die dem Volke gehören,
sie zu bewahren vor den Reichenaus,
die noch immer auf ihre Rückkehr drängen.
Doch wir lassen nicht zu,
das zu rauben, was wir uns
zu unserem Wohle schufen.
Im Vorübergehen winken mir
die Menschen zu –
sie wissen:
Ich bin einer von ihnen.
Unsere Republik
Auf festem Boden heut wir stehen,
wo frei der Mensch kann sicher schreiten
auf der guten Straße, die wir alle gehen,
geeint, Jahrzehnte schon, seit Freunde uns befreiten.
Auf diesem Boden wuchs in mir das Sein,
und mein Leben wurde neu geweiht.
Unser Land sollte kraftvoll uns gedeihn –
ich gab den Treue-Eid, damals, auf Lebenszeit.
Die einst zerwühlte, karge Heimaterde
macht uns täglich satt mit gutem Brot und Wein.
Sie gibt uns Erz und Kohle, wärmt die goldnen Herde.
Sie gibt uns Mut, läßt lernen uns und fröhlich sein.
Unsere Erde kann die Liebe tragen,
weil im Lande tiefe Wurzeln hat das Glück.
Und es werden immer neue Wurzeln schlagen,
die jung erhalten UNSERE REPUBLIK.
Kranführer
Von unseren Schultern
hob ich mit hinweg
untragbare Lasten,
hievte fort
die schweren Schatten,
die das karge Licht erdrückten.
Viele Sommer schon
schwing ich heiter nun
tonnenschwere Güter
leichter über unser Land,
kostbare
heb ich weit über Grenzen,
zu unsren Freunden,
dank des größren Schwenkbereiches
meines neuen Krans.
Ruhelos will ich bleiben
auf meinem Posten,
den Radius stets erweitern
und mein Blickfeld.
Aus meiner Krankanzel
schau ich besonnen
dem Zwölften entgegen
und hebe lachend
schwungvoll neues Glück
in unser helles Licht.
So soll es bleiben
Wenn die Nacht
mir das Licht des Tages
nimmt und mahnt
zu Ruhe und Schlaf,
beginnt das Nachtleben
zur Wahrung des Friedens.
So soll es bleiben.
Immer bricht auf
der Morgen das Schwarz
undurchsichtiger Nacht.
Die Sonne verdrängt
Nebelschwaden überall
und macht Licht mir
für freudvolle Farben
am neuen Friedenstag.
So soll es bleiben.
Der Frieden braucht
den Tag und die Nacht
zum Streit der Gewissen
und zum Wachsen der Kraft,
die fordert:
So soll es bleiben.
Bekenntnis
Das Gestern grau noch
in den stumpfen Augen
und Zweifel
übers leere Morgen
im verwirrtem Kopfe,
ging ich allein
und hörte nicht das Lied
der Wegbereiter:
„Brüder, zur Sonne,
zur Freiheit!“
Als im April
die Nachricht dröhnte
vom Frühlingstage
in Berlin,
zog mich das große Lied
in seinen Bann.
Ich reihte ein mich
in den Strom
der nun Geeinten
und sang mit den Genossen:
„Brüder, in eins nun
die Hände!“
Jahrzehnte schon
trag ich seither
sorglich das Parteibuch
auf der Brust links,
wo das Herz schlägt.
Schimmert das Haar nun grau,
rot pulsen
Buch und Herz,
und meine Hände wissen,
was sie tun: Längst
„Leuchtet die Zukunft hervor!“
Dank den Arbeitsleuten
Es wuchs der Mensch über sich hinaus,
weil die Herzen schlugen für die neue Zeit,
um zu bauen ein großes, festes, eignes Haus,
war der Weg auch schwierig und weit.
In Stadt und Land die Arbeitsleute
trugen gemeinsam die Steine herbei,
weil das Schaffen wurde zur Freude,
und von Ausbeutung und Zweifel waren sie frei.
Drum Dank all den vielen Arbeitsleuten,
die unser neues Haus kühn erbauten
und unser aller Herzen so erfreuten,
weil sie gestern schon ins heute schauten.
Viele neue Grundsteine werden sie noch lange legen,
und leuchten werden neue Richtkronen.
Noch höher soll sich für sie erheben
das Haus, in dem sie morgen wohnen.
„DER SCHEINWERFER“ JENA Nr. 11/89