Patrice Poutrus [P.P.]: „Haben Sie dann auch wieder im Studentenwohnheim …“
Ralf Jähne [R.J.]: „Ja.“
P.P.: „… gewohnt?“
R.J.: „Studentenwohnheim und auf ’ner 4-Mannbude sozusagen.“
P.P.: „Ja, genau das war; war fast wie eine Fortsetzung der Militärzeit. Also.“
R.J.: „Ja, also zumindest, was die Wohnverhältnisse anging, ja. Und was es, was mir damals zum ersten Mal aufgefallen ist, dass es latenten Rassismus gab. Also das war so böse zum Teil. Also wir hatten relativ viele Studenten aus Afrika bei uns. Also aus Mosambik meistens oder Angola.“
P.P.: „In den Ingenieurberufen?“
R.J.: „Ja, oder auch aus Südafrika. Die haben Bergbau, Tagebau gelernt, meistens. Und auch aus Panama, also überall, wo Bergbau ging. Also die, Bergbau musste wohl ’n guten Ruf gehabt haben in der DDR, so dass viele ihre Kinder dort hingeschickt haben zum Studieren. Und was da abging war teilweise grenzwertig, fand, also nicht grenz-, war grenzwertig. Dort hat man eben versucht, eben auch, auch auf welcher Basis auch Zimmer, 4-Mann-Zimmer zu besetzen mit zwei Schwarzen und zwei Weißen. Das ging absolut nicht gut. Da war, dann, dann wurden die Schwarzen regelrecht dazu angehalten, sauber zu machen und all solche Sachen. Also es war böse, wirklich böse. Also man hat dahingehend reagiert, dass man die Leute auseinandergenommen hat und getrennt untergebracht hat irgendwo und dann ging das einigermaßen. Aber das war wirklich, boah, das ist mir damals schon aufgefallen, dass das extrem war.“
P.P.: „Und das waren vor allem junge Männer?“
R.J.: „Ja.“
P.P.: „Das ist dann noch so ein zusätzliches Problem.“
R.J.: „Ja.“
P.P.: „Also sozusagen Männer unter Männern ist das Eine, aber Männer und Frauen hat doch oft dazu geführt, also ich weiß es nur, weil hier in Erfurt hat es ja in den ’70er Jahren schon Ausschreitungen gegeben wegen Algeriern. Da ging es um, in den, was man darüber lesen kann, geht es immer darum, dass behauptet wird, die wollen uns die Frauen wegnehmen.“
R.J.: „Ja. ja! Ne, das war glaube ich nicht der, ich weiß es nicht, also ich kann, daran kann ich mich nicht erinnern, weil ich war eigentlich immer offen gewesen für andere Kulturen. Mir hat das Spaß gemacht, insbesondere mit den Leuten aus Südafrika. Die waren, also die aus Mosambik die Leute waren meistens sehr verschlossen gewesen. Also da, da.“
P.P.: „Die sind aus einem schweren Bürgerkrieg gekommen.“
R.J.: „Ja, ja! Da hat man auch kaum Zugang bekommen, aber man hat sich manchmal in der Küche getroffen, in der Gemeinschaftsküche. Wenn man gesagt hat: ,Ach, was kochst’n da?‘ Auf der Ebene. Oder die beiden aus Südafrika, die waren wesentlich offener. Die kamen vom ANC und hatten natürlich auch ’n extremen Pluspunkt: sie durften nach West-Berlin zum Einkaufen und hatten dann natürlich ganz viele Freunde gehabt.“ (Lacht))
P.P.: (Lacht) „Ja, verstehe.“ (Lacht)
R.J.: „Also, nein, sie waren aber auch, auch, auch kommunikativer gewesen. Also mit denen konnte man sich auch gut unterhalten, auch im Englisch, wenn man ’n bisschen konnte. Aber die konnten auch relativ gut Deutsch. Also ich glaube die hatten es leichter gehabt.“
P.P.: „Als die Mosambikaner.“
R.J.: „Ja.“