Klaus Killisch: „Als Kind hab ich schon viel gezeichnet, und dann hab ich, weil ich mich für Science-Fiction interessiert habe… Ich hatte einen Freund, dessen Vater vor dem Bau der Mauer oft nach West-Berlin gereist war, der hatte diese Science-Fiction-Hefte. Die waren immer toll illustriert und mich hat das fasziniert und ich hab das dann abgemalt. Und dann bin ich darüber eigentlich zur Malerei gekommen.
Also ich hab mich mit Farbe beschäftigt, weil ich dachte, das will ich auch, ich will auch solche Bilder malen. Und in der Schule habe ich dann von Rockstars so diese typischen Motive gemalt. Andere haben das dann gut gefunden, haben das gekauft oder irgendwie so, also so ganz einfach. Aber im Nachhinein muss ich schon sagen, dass mich das nach wie vor interessiert. Das ist ja so dieses Interesse für Popkultur und ein bisschen auch für Zeitgeist, der mich ja bis heute begleitet. Und das denke ich schon, dass in den Anfängen auch vieles schon gelegt ist, was dann später auch nach wie vor so erscheint oder trägt.“
Die 1980er Jahre (Min. 01:28)
„Also in den 80er Jahren habe ich ja studiert: 1981 an der Kunsthochschule Weißensee. Das war auch eine ganz wichtige Zeit für mich, weil die Mitstudenten, die ich dort kennengelernt habe, mit denen habe ich dann auch später eng zusammengearbeitet. Ich bin dann 86 fertig geworden – also mit mir auch Sabine Herrmann, oder Susanne Rast gehörte auch dazu – und wir hatten damals schon als Studenten immer den Traum oder die Vorstellung, wir müssten eigentlich so ein gemeinsames Künstlerhaus finden, wo wir Ateliers haben, wo wir gemeinsame Projekte entwickeln. Das hatten wir auch versucht, aber es ist uns irgendwie nicht so geglückt. Aber die Zeit von 86 bis Ende der 80er Jahre war sehr intensiv, also künstlerisch. Also ich hab viel gemalt, gearbeitet und war aber auch viel unterwegs, habe Kontakte aufgenommen nach Leipzig und Dresden. Und dann kamen auch die ersten Ausstellungen. Also so im Nachhinein war es eine intensive Zeit, die auch den Grundstein gelegt hat, auch für die Jahre danach.“
Musik und Malerei (Min. 02:44)
„Ich glaube zum Diplom, das war ein wichtiges Jahr für mich. Das war damals so, dass man sich ein Thema ausgesucht hat, oder es wurde einem angetragen. Ich hab mir Musik und Malerei ausgesucht. Ich hatte dann auch Bücher gelesen, also Kandinskys Über das Geistige in der Kunst zum Beispiel, und konnte dann auch viele Studien machen bei den Proben in den Orchesterhäusern in Berlin, also Ost-Berlin.
Und da habe ich für mich eine eigene Malerei entwickelt, also so eine farbkräftige, weil mich das von Kandinsky noch ermutigt hat: Also das Gelb mit den Bläsertönen und ich wollte immer so diese reinen Farben gegeneinanderstellen. Das war ein wichtiger Anfang.
Und nach dem Studium ging das dann sehr schnell, dass ich dann auch mit den Figurationen, auch mit den Raucherbildern, eine eigene Sprache entwickelt habe, die aber ganz stark beeinflusst ist durch die Musik. Also im Atelier liefen dann immer Einstürzende Neubauten, also dieser Song „Kollaps“ oder „Halber Mensch“. Und dann habe ich mir auch Titel geborgt: „Seele brennt“. Da gibt es dieses Bild mit dem stehenden Mann, den so die Flammen aus der Brust schlagen und das heißt dann eben „Seele brennt“. Das war schon immer wichtig als Begleitung im Atelier beim Arbeiten, das ist mit eingeströmt.
Die großen Bilder waren auch sehr wichtig für mich, weil ich da auch körperlich und physisch arbeiten musste. Ich hab dann auch so eine Maltechnik entwickelt, die eigentlich nicht so produktiv ist, die ich mir aber beibehalten habe: Ich hab die Farben immer wieder runter gekratzt und dadurch sind immer noch Reste geblieben. Und ich hab dann neue Farben raufgesetzt, weil ich die Farben nicht mischen wollte.
Also die Farben, die es damals gab, die waren von der Firma eine Nerchau. Ich hatte immer den Eindruck, wenn ich drei Farben mische, ist es immer grau. Und ich hab dann mit den reinen Farben gearbeitet und das war eigentlich… Es hat sich dann daraus eine Arbeitsweise entwickelt. Und natürlich sieht man auch hier bei mir, wenn man dann auf die Palette guckt, auf den Arbeitstisch, riesige Farbberge, die ich da runter gekratzt habe.
Aber für mich gehörte das mit zu diesem Prozess. Dadurch haben diese Bilder auch so… wirken die sehr intensiv. Also wenn man heute draufschaut, merkt man schon, da ist auch so ein Arbeitsprozess dahinter und ja… Die haben aber auch was Leichtes, als ob das so aus einem Guss ist. Aber da habe ich mich schon ganz schön abgekämpft und dazu immer die Musik.“
Expressionismus und Zeitgeist (Min. 05:37)
„Diese Sprache des Expressionismus, die war ja so ganz… die passte irgendwie für eine ganze Generation – gerade in Ostdeutschland, aber auch zum Teil in Westdeutschland –, weil das schon so ein Ausdruck war, um die Stimmung widerzuspiegeln, die ja da war. Das darf man ja auch nicht vergessen: Es war ja politisch sehr angespannt. Also Ost und West haben ja hochgerüstet und es war so eine große Unsicherheit. Ähnlich wie heute auch, kennt man vielleicht auch das Gefühl, also diese Gefühle, dass man sich am liebsten zurückziehen möchte. Und bei uns war das eher: Wir müssen jetzt leben. Wir müssen unsere Freiräume nehmen. Wir wollen nicht das System reformieren, sondern wir wollen einfach das machen, was wir zeigen wollen, die Ausstellung oder die Musik.
Und das war jetzt im Unterschied vielleicht zu den Generationen davor, die auch diese Utopie hatten, den Sozialismus zum Beispiel zu noch mal zu ändern, menschlicher zu machen oder demokratischer oder offener. Und da war das eher so, dass wir an das Jetzt dachten: Wir müssen jetzt leben.
Und das passte vielleicht auch zu dem Grundgefühl in West-Berlin. Da gibt es doch schon so Parallelen, obwohl es da natürlich eine ganz andere Situation war. Aber da war dann so eine Nähe oder so ein Verständnis, vielleicht auch ein Missverständnis. Aber in der Musik auf jeden Fall, die wir ja hören konnten durch die [Radiosender] RIAS oder AFN. Das spielte alles so mit rein.
Und ich glaube, das stimmt schon, ich hatte so 86 angefangen mit diesen Figuren, also Männern – es war ja eigentlich immer meine Person, die ich da gemalt habe –, die dann eben diese Rauchwolken ausstoßen, wo man nicht weiß, ist es eine Sprechblase oder ist es der Odem? Und das sollen Leute sein, die so eine Anspannung zeigen und die was rauslassen wollen. Da hat sich das bei mir so entwickelt, diese Idee. Und dieses aggressive „Mich interessiert nicht, was ihr darüber denkt, oder ob ich das mal ausstellen kann. Ich mache das jetzt einfach“, das war schon so eine Haltung.
Es war ja relativ starr in der DDR, aber dass da was am Kochen ist, und der Druck sich erhöht, das denke ich so im Nachhinein, spürt man auch in den Bildern, also bei mir, so würde ich das so sehen.
Für uns war dieses Ende der 80er Jahre eine aktive Zeit. Das war nicht nur eine bleierne Zeit, die einen so gefesselt hat, und wir wollten auch nicht in so einer Wartestellung bleiben, sondern wir haben gedacht, wir machen das, was wir jetzt machen wollen. Deswegen habe ich die in Erinnerung als eine ganz wichtige Zeit für mich.“
Vor dem Umbruch: Kirche, (Aus-)Reisen, Demonstrationen (Min. 08:47)
„Ja, also ich war ja auch engagiert dadurch, dass ich ja aus einem christlichen Elternhaus komme und in einer – wie ich im Nachhinein denke – Parallelwelt gelebt habe, die für mich aber ganz wichtig war, um im Osten irgendwie… um da Ich zu bleiben, war ich auch engagiert in diesen Gedanken, dass sich was ändern muss, und sich mit anderen Leuten darüber auszutauschen und so, das war schon so ein Interesse.
Ich durfte ja 88 meine Großmutter nach mehreren Versuchen in Eckernförde besuchen, also in Schleswig-Holstein. Das war meine erste Reise [in den Westen] und das war schon ziemlich interessant. Aber natürlich: Eckernförde und Schleswig-Holstein ist ja sehr ländlich, also ganz anders geprägt. Aber mein Onkel hatte mich da gefragt, ob ich nicht dableiben möchte oder – das hat er vielleicht aus Spaß gesagt –, aber ich dachte: Auf keinen Fall, ich muss zurück, weil da passiert es. Das ist so interessant und ich war natürlich… ich wollte ja auch zu Sabine, also wir waren damals schon ein Paar. Aber generell, ich wusste, da muss ich dabei sein, ich muss das wirklich alles erleben, ich muss in Berlin, also in Ost-Berlin sein. Und das war schon dann auch eine bewusste Entscheidung.
Die Situation, dass viele Künstlerkollegen auch ausgereist sind, das war schon spürbar. Das war aber dann auch ein Grund, dass wir mit der Keramikwerkstatt Wilfried Maaß zusammengearbeitet haben. Also Wilfriede hatte uns dann irgendwann gefragt, ob wir nicht als Künstler mit in der Werkstatt arbeiten wollen, weil viele, die dort waren, also [Adalbert] Scheffler oder Christine Schlegel und so, die waren dann nicht mehr da. Und das war so eine Leerstelle. Die haben wir dann gefüllt, und das war noch mal ein Anknüpfungspunkt für uns, später dann auch eine Galerie Werkstatt Wilfriede Maaß aufzumachen und uns da zu engagieren – für andere, aber aktiv zu sein.
Und das reichte dann auch bis in die… ja fast 2000er Jahre.
Dieses Revolutionsbild, ich hab mehrere gemalt: Also einen Mann mit Fahne – das könnte auch eine weiße Fahne sein –, der auf einer Mauer steht oder die Mauer durchbricht. Das war aber angeregt durch so ein Ereignis, da gab es einen Gebietstausch zwischen West-Berlin und Ost-Berlin.
Und da war so eine Besetzerszene aus West-Berlin, die sind dann vor der Polizei, die damals in West-Berlin ziemlich hart durchgegriffen hat, in den Osten über die Mauer geflüchtet. Und das war als Nachricht so schräg, weil normalerweise ist ja der Weg immer andersherum. Und ich hab das als Anlass genommen und dann – ich glaube schon 88 – solche Revolutionsbilder, habe ich die dann genannt, gemacht. Und das hat sich dann später erst gezeigt, dass tatsächlich auch eine Revolution beginnt und dass Leute dann auf die Straße gehen.
Wir waren ja aktiv in diesen Demonstrationen beteiligt und das war auch… Ich hab in der Lychener Straße gewohnt, im Prenzlauer Berg, und da das Atelier gehabt. Und ich war auch in der einen Kirchengemeinde, die gehört zur Gethsemanekirche. Da war ich auch aktiv gewesen. Kirche damals war ja – anders als vielleicht heute – sehr offen für alle Gruppen und Ideen. Also irgendwie war das für mich ein ganz guter Ort.
Ja, da waren wir auch immer beteiligt bei diesen Diskussionen in den Kirchen, aber auch Demonstrationen auf der Straße. Das war schon… Das werde ich nicht vergessen: Die Schönhauser Allee war abgeblockt, wir wollten zur Gethsemanekirche, und da standen dann Uniformierte mit Schilden, diesen Plastikschilden, Schutzschilden vor uns, und dahinter Wasserwerfer. Und ich war mit Sabine Herrmann und noch jemandem – wir waren zu dritt –, und dann standen wir drei einzelne Personen da, hinter uns war alles leer, und dann dieser Aufmarsch. Und dann ist Sabine plötzlich ausgerastet und hat die beschimpft und so, und die waren dann aber auch ganz erstarrt. Das war eine eigenartige Situation und also…
Wir waren schon immer so drin in dem Ganzen und das hat sich dann so entwickelt: Also am 4. Oktober war ja dann diese große Demo, dann wurde es ja so, dann sind ja immer mehr Leute dazu gekommen, die sich das vorher nicht vorstellen konnten, vielleicht auch das zu riskieren. Also das hatte dann immer mehr Kreise gezogen.“
Der 9. November 1989 (Min. 13:49)
„Und der 9. November, das war ziemlich schräg, weil… Es gab vorher eine Ausstellung, Zwischenspiele, die wurde vom [Künstlerhaus] Bethanien organisiert und als Kurator war Christoph Tannert beteiligt. Der hatte wirklich eine tolle Ausstellung ausgewählt, die in West-Berlin gezeigt wurde. Einige Künstler, oder viele, haben dafür auch einen Reisepass angeboten bekommen – also ich auch, Sabine auch. Aber wir fanden es irgendwie ungerecht, dass nicht alle die Möglichkeit hatten. Und dann haben wir dann verlautbart: Wir reisen so lange nicht, bis auch die anderen Kollegen den Pass bekommen. Das fanden jetzt viele nicht so toll, weil natürlich wollten alle die Möglichkeit auch nutzen.
Und irgendwann, weil die Ausstellung schon so lange lief, hatten wir gedacht, wir holen uns jetzt diesen Reisepass ab und dann gucken wir uns wenigstens die Ausstellung an. Und ja… Dann haben wir das gemacht. Wir hatten einige Bekannte oder Freunde in West-Berlin, die hatten wir dann besucht, nachdem wir die Ausstellung gesehen haben. Und nachts sind wir dann rüber und dachten, wir müssen uns beeilen. Man musste ja um zwölf spätestens die Grenze passieren. Und da sind wir an der Friedrichstraße ausgestiegen und plötzlich rannte uns eine Menschenmasse entgegen, aber in die entgegengesetzte Richtung. Und das war eben am 9. November. Da waren auch Freunde in diesem Strom, die haben gesagt: Hey, da langlaufen! Wo geht ihr denn hin? Ja, das war irgendwie so… der Tag. Also von daher, es war eigenartig, aber auch sehr… sehr emotional war es schon, also auf jeden Fall. Und gerade die Zeit danach, die war ja immer auch sehr unsicher, weil es ja nicht klar war, wie das weitergeht und ob die sowjetischen Truppen abziehen werden oder nicht und so.
Aber für uns war das irgendwie so ein Startschuss in eine Aufbruchszeit. So haben wir das zumindest erlebt – also mit ganz vielen Angeboten und Möglichkeiten. Und dann gab es so Strohmänner, die bei mir auch waren, die haben Bilder gekauft. Und dann danach habe ich auch ziemlich viele Arbeiten verkauft und hatte dann auch Geld gehabt.“
Willkommen im Westen (Min. 16:15)
„Dieses Ereignis, dass die Mauer fällt, war natürlich auch symbolisch und hatte viel mit Emotion zu tun. Und wir waren natürlich auch ganz euphorisch. Wir hatten aber auch als Künstler das Gefühl, wir werden wichtig genommen, der Westen möchte uns mit offenen Armen empfangen und interessiert sich für das, was wir machen.
Das kam einmal dadurch: Im Januar 1990 gab es eine große Ausstellung in La Villette in Paris. Die hatte Christoph Tannert noch mit anderen Kuratoren zusammen organisiert, also in Windeseile. Aber im Nachhinein muss ich sagen, das war so kompakt, wirklich ein ganz intensiver Rückblick auf die 80er Jahre, auf die junge Kunst, die in der DDR entstanden ist. Und das war irgendwie eine ziemlich tolle Erfahrung, weil die Ausstellung, oder dieses Happening, stand unter der Schirmherrschaft von Jack Lang, dem damaligen Kulturminister.
Und dann gab es auch noch einen Empfang im Élysée-Palast, da ist extra [François] Mitterrand noch dazu erschien. Er hat den Künstlern allen – also mir hat er die Hand geschüttelt. Aber das war… irgendwie vom Gefühl dachten wir, wir werden sehr ernst genommen. Es ist natürlich auch ein Missverständnis gewesen, aber das war eigentlich ein tolles Gefühl. Klar, die Franzosen hatten schon gespürt, hier könnte sich auch so eine Geschichte entwickeln, also eine Wiedervereinigung. Die wollten auch diese Bestrebungen, die es natürlich gab [unterstützen], also so einen eigenen Weg auch zu gehen, also das war ja auch so geäußert worden. Wir müssen einen eigenen Weg gehen und uns nicht gleich anschließen. Aber okay, die Straße hat anders entschieden. Aber das war auch erst mal ein ganz guter Moment.
Und dann gab es im April die Biennale in Venedig und da hatte der damalige Kurator und Leiter der Berlinischen Galerie, Jörn Merkert, schon eine Ausstellung geplant: Ambiente Berlin. Und jetzt, durch diese neue Situation musste… wollte er auch Künstler-Positionen aus Ost-Berlin noch zeigen. Und irgendwie war das alles ziemlich schnell gestrickt. Es wurden dann letztendlich nur fünf Künstler aus dem Osten ausgewählt, also was natürlich sehr unproportional war. Aber ich war auch dabei und das war ein super Erlebnis, weil das war natürlich, wenn man beteiligt ist und auch mit tollen Bildern – also ich fand die toll, die ich da jetzt zeigen konnte –, und auch die Leute, die man kennengelernt hat, auch die Atmosphäre. Also Jenny Holzer hatte damals im amerikanischen Pavillon dort ausgestellt, aber auch mit Robert Rauschenberg kurz zu sprechen oder Yoko Ono die Hand zu schütteln und so… Das war irgendwie so das Gefühl, man wird auch von der internationalen Community oder von den Leuten, die man sehr schätzt, wahrgenommen und begrüßt.
Aber ich denke mal, das war alles missverständlich, war aber ganz nett und auch wichtig. Denn der Bruch kam ja dann irgendwann – auch dass das Interesse abklang, also an Kunst aus dem Osten oder aus Osteuropa überhaupt, und dann auch die ersten Kritiken und dann auch so die… ja, Schlammschlachten, die dann auch so begannen, das war dann schon spürbar.
Aber dieser Beginn erst mal und auch finanziell für mich, so unabhängig zu sein, das war schon klasse, ja.“
Künstlerischer Aufbruch nach der ,Wende‘ (Min. 19:53)
„Ich hab schon gespürt, dass die Malerei, die ich in den 80er Jahren für mich gefunden habe, dass die nicht mehr so passt. Also ich hab mich da nicht wiedergefunden und war so auf der Suche und… Das Bild, was hinter mir zu sehen ist, ist ja so Anfang der 90er entstanden und das war noch mal so ein Aufbruch für mich, also große Formate zu machen.
Und ich hab, das muss man sich so vorstellen: Damals lag auf den Straßen in Ost-Berlin der ganze Müll rum. Es gab viele Firmen und so, die zugemacht haben, oder die Leute haben ihren Haushalt einfach in die Container gekippt. Und unter anderem auch die DEWAG, das war die Werbeagenturfirma in der DDR. Die hatten dann so Kunstblumen aus Sebnitz [weggeworfen]. Und ich hab mich dann in dieses Zeug so verliebt und hab dann große Arbeiten gemacht, die aber eine Referenz an das 19. Jahrhundert sind, und hab diese als Collage, als Applikationen mit verarbeitet.
Ich hatte dann auch die Möglichkeit, diese großen Arbeiten zu zeigen, also auch in der Galerie EIGEN+ART in Leipzig. Das war glaube ich 91 oder 92. Vorher bei Jochen Hempel in der Galerie. Das waren ziemlich beeindruckende Gesten. Das haben, glaube ich, auch viele so empfunden, da ist ein Künstler aus dem Osten und der zeigt aber: Hey, hier bin ich! Also der hat so ein Standing. Das hat mir irgendwie gefallen und ich hab dann mit diesen Fremdmaterialien in den Bildern später auch gerne gespielt. Also das ist immer so in meiner Malerei, dass ich dann finde, ich muss das brechen, mit Collage oder auch mit den LPs und das hat sich dann so fortgesetzt, popkulturmäßig zu arbeiten.
Das hat mich schon immer interessiert und deswegen denke ich auch, ja, eigentlich hab ich ja so angefangen, als ich als Kind oder Jugendlicher diese Science-Fiction-Cover abgemalt habe. Jetzt bin ich schon wieder so. Also das zieht sich so eigenartig durch.
Und bei anderen Künstlern ist es eine ganz andere Biografie, die haben sich irgendwie überhaupt nicht geändert. Da kann man jetzt nicht ablesen, dass es da einen politischen Umbruch gab. Die sind so kontinuierlich bei sich geblieben und haben so eine eigene Ästhetik. Und bei mir war das dann schon so, dass ich mein eigenes System geöffnet habe, wenn ich das so sagen kann, und dann da die Einflüsse reinfließen ließ, und auch gewillt war, und dann gesehen hab, was dabei rauskommt.
Ich bin dann eher so dem, was ich mir aufgebaut habe, auch treu geblieben, aber hab das eben weiterentwickelt. So würde ich das jetzt vielleicht sehen.“